Synchronizität statt Kausalität?

Warum Astrologie nicht voraussetzen muss, dass Planeten Ereignisse verursachen

Astrologie wird häufig an einer Frage gemessen, die möglicherweise bereits falsch gestellt ist: Wie sollen Planeten auf Menschen und Ereignisse wirken?

Wer Astrologie ausschließlich unter dem Gesichtspunkt physikalischer Kausalität betrachtet, erwartet einen nachweisbaren Wirkmechanismus. Ein Planet müsste demnach auf irgendeine Weise eine konkrete Wirkung auslösen – ähnlich wie eine Kraft, eine Strahlung oder ein anderes messbares physikalisches Phänomen.

Doch vielleicht beruht astrologisches Denken auf einem grundsätzlich anderen Zusammenhang.

Astrologie könnte weniger mit Ursache und Wirkung zu tun haben als mit der Vorstellung, dass unterschiedliche Erscheinungen derselben Zeit miteinander in Beziehung stehen.

Genau hier wird der Begriff der Synchronizität interessant.

Was bedeutet Synchronizität?

Der Begriff ist vor allem mit dem Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung verbunden. Jung beschäftigte sich mit Ereignissen, die miteinander verbunden erscheinen, ohne dass zwischen ihnen eine erkennbare Ursache-Wirkungs-Beziehung besteht.

Entscheidend ist dabei nicht bloßer Zufall. Gemeint ist vielmehr eine sinnhafte Gleichzeitigkeit.

Zwei Vorgänge können demnach miteinander korrespondieren, ohne dass der eine den anderen verursacht.

Übertragen auf die Astrologie würde das bedeuten:

Eine bestimmte Planetenkonstellation müsste ein Ereignis nicht hervorrufen. Sie könnte vielmehr gleichzeitig mit bestimmten psychischen, gesellschaftlichen oder historischen Prozessen auftreten und deren Struktur symbolisch widerspiegeln.

Die astrologische Konstellation wäre dann nicht die Ursache des Geschehens, sondern eine andere Ausdrucksform derselben Zeitqualität.

„Wie oben, so unten“

Dieser Gedanke ist der Astrologie keineswegs fremd.

Das alte hermetische Prinzip „Wie oben, so unten“ beschreibt gerade keine einfache mechanische Kausalität. Es geht vielmehr um Entsprechung.

Der Himmel wäre in diesem Verständnis kein Steuerungsapparat, der Ereignisse auf der Erde auslöst. Er wäre Teil eines umfassenderen Zusammenhangs, in dem unterschiedliche Ebenen miteinander korrespondieren können.

Damit verändert sich auch die astrologische Fragestellung.

Nicht:

Was bewirkt Saturn?

Sondern:

Welche Themen treten erfahrungsgemäß in Zeiten hervor, in denen Saturn astrologisch besonders betont ist?

Diese Unterscheidung erscheint klein, ist aber methodisch entscheidend.

Korrelation ist noch keine Kausalität

Auch außerhalb der Astrologie gilt ein grundlegender wissenschaftlicher Satz:

Korrelation bedeutet nicht automatisch Kausalität.

Wenn zwei Phänomene gemeinsam auftreten, folgt daraus noch nicht, dass eines das andere verursacht.

Für astrologische Untersuchungen bedeutet das allerdings nicht, dass solche Zusammenhänge bedeutungslos wären. Im Gegenteil: Zunächst wäre überhaupt zu untersuchen, ob bestimmte astrologische Konstellationen tatsächlich häufiger mit bestimmten Themen oder Entwicklungen zusammenfallen.

Erst danach stellt sich die Frage nach einer möglichen Erklärung.

Die häufig gestellte Forderung, Astrologie müsse zunächst erklären, wie Planeten wirken, könnte daher die Reihenfolge umkehren.

Bevor wir nach einem Mechanismus fragen, müsste zunächst geklärt werden, ob die behaupteten Zusammenhänge überhaupt belastbar vorhanden sind.

Astrologie als Symbolsprache

Aus dieser Perspektive lässt sich Astrologie als eine Art Symbolsprache der Zeit verstehen.

Mars wäre dann nicht die Ursache eines Konflikts. Uranus würde keine Revolution auslösen. Pluto würde keine Gesellschaft transformieren.

Astrologische Symbole könnten vielmehr bestimmte Qualitäten beschreiben, die sich auf sehr unterschiedlichen Ebenen zeigen.

Ein und dieselbe Konstellation könnte sich etwa politisch, gesellschaftlich, psychologisch oder biografisch verschieden ausdrücken.

Gerade deshalb erscheint es problematisch, astrologische Symbole wie eindeutige Ursachen zu behandeln.

Sie beschreiben eher Möglichkeitsräume.

Welche konkrete Form ein solcher Möglichkeitsraum annimmt, hängt von zahlreichen Bedingungen ab.

Warum das persönliche Horoskop wichtig bleibt

Besonders deutlich wird das bei kollektiven Transiten.

Wenn Uranus beispielsweise durch ein bestimmtes Tierkreiszeichen läuft, betrifft diese Konstellation zunächst alle Menschen derselben Zeit.

Trotzdem erleben nicht alle Menschen gleichzeitig dieselben Veränderungen.

Erst die Verbindung mit dem individuellen Geburtshoroskop kann zeigen, ob und an welcher Stelle ein kollektiver Transit persönlich relevant werden könnte.

Ein Transit zu Sonne, Mond, Aszendent oder einem anderen wichtigen Horoskopfaktor besitzt eine andere Bedeutung als ein Transit, der keine unmittelbare Verbindung zum persönlichen Horoskop herstellt.

Auch hier zeigt sich: Astrologie beschreibt keine lineare Ursache-Wirkungs-Kette.

Sie arbeitet mit Beziehungen, Rhythmen und Bedeutungszusammenhängen.

Was Astrologie leisten kann – und was nicht

Eine solche Betrachtungsweise schützt zugleich vor einem verbreiteten Missverständnis.

Astrologie kann nicht zuverlässig sagen:

Dieses Ereignis wird eintreten, weil diese Konstellation am Himmel steht.

Sie kann bestenfalls darauf hinweisen, dass bestimmte Themen, Spannungen oder Entwicklungsmöglichkeiten zu einer bestimmten Zeit stärker hervortreten könnten.

Das ist ein wesentlicher Unterschied.

Astrologie würde damit weniger zu einem Instrument der Vorhersage als zu einem Instrument der Orientierung und Reflexion.

Sie zwingt nicht.

Sie zeigt Möglichkeiten an.

Eine offene Frage

Ob Synchronizität letztlich die Erklärung für astrologische Zusammenhänge ist, lässt sich damit noch nicht beweisen.

Auch Jung lieferte keine abgeschlossene physikalische Theorie der Astrologie – natürlich nicht, er war Psychiater; und Philosoph 🙂

Aber sein Konzept eröffnet einen anderen Denkraum.

Astrologie muss dann nicht behaupten, dass Planeten Menschen beeinflussen oder Ereignisse verursachen.

Die entscheidende Frage wäre vielmehr:

Gibt es zwischen himmlischen Konstellationen und irdischen Prozessen wiederkehrende, sinnvolle Entsprechungen?

Wenn solche Entsprechungen existieren, verdienen sie Untersuchung – unabhängig davon, ob wir bereits erklären können, warum sie existieren.

Ich glaube, gerade darin liegt eine der interessantesten Möglichkeiten astrologischer Forschung.